Eric H. Cline: Versunkene Welten und wie man sie findet. Auf den Spuren genialer Entdecker und Archäologen (Rezension)

Mit einem Buch über das Ende der Bronzezeit einen Beststeller schreiben? Das muss man erst einmal hinbekommen. Mit „1177 v. Chr. Der erste Untergang der Zivilisation“ ist es dem US-amerikanischen Historiker und Archäologen Eric H. Cline gelungen. Das liegt natürlich auch an einer populärwissenschaftlichen Aufarbeitung des Stoffes: Zivilisationsuntergänge sind ja immer, und heute wieder verstärkt, beliebt. Und auch das Aufzeigen von Parallelen zur Gegenwart ist oft verblüffend:

„Die griechische Wirtschaft ist am Ende. In Libyen, Syrien und Ägypten ist es zu revolutionsartigen Aufständen gekommen, fremde Mächte und ausländische Soldaten gießen Öl ins Feuer. Die Türkei befürchtet, in die Konflikte mit hineingezogen zu werden. Jordanien ist überfüllt mit Flüchtlingen. Der Iran wetzt die Messer und übt sich in Drohgebärden, während es im auch im Irak drunter und drüber geht.“

Nein, nicht von der Gegenwart ist die Rede, sondern von einer Zeit von vor über 3.000 Jahren. Mit „Versunkene Welten und wie man sie findet“ legt Cline nun erneut ein Erfolg versprechendes Werk vor. Nach Hermann Parzingers „Abenteuer Archäologie. Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte“ (2016) liegt dem deutschsprachigen Markt nun innerhalb kurzer Zeit bereits die zweite hochkarätige Archäologiegeschichte vor. Doch während Parzinger einen klassisch-chronologischen Weg durch Millionen Jahre Menschheitsgeschichte gewählt hat, die anhand archäologischer Funde illustriert werden, nimmt Cline einen pointierteren und gleichzeitig handwerklicheren Weg:

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Das legendäre Troja, das Grab des Tutanchamun, die steinzeitliche Kultanlage von Göbekli Tepe, das minoische Knossos, das Orakel von Delphi, das Schlachtfeld von Armageddon, die Höhlenmalereien von Lascaux, die verschüttete bronzezeitliche Stadt Akrotiri, Goldmünzen, Bleikugeln und U-Boote – von all dem wird anekdotenhaft und kurzweilig berichtet, wobei auch Methoden und Gerätschaften der Archäologen nicht zu kurz kommen: Was sind die Unterschiede zwischen Bodenradar und Magnetometer? Wozu ist eine Feldbegehung gut? Was macht man bei einer Planabgrabung? Welchen Zweck erfüllt ein Klickzähler? Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Prozessuale Archäologie“? Wie funktioniert die C14-Datierung?

Der gut lesbaren, abbildungsreichen Übersicht ist ein archäologisches Axiom vorangestellt, das die Grundlage für alles weitere darstellt: „Ein Stein ist ein Stein. Zwei Steine sind ein Befund. Drei Steine sind eine Mauer. Vier Steine sind ein Gebäude. Fünf Steine sind ein Palast. (Sechs Steine sind ein Palast,  den Außerirdische gebaut haben.)“

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