Anti-Hoffnung

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, die Lindner-Hochzeit egal zu finden, aber nach Lektüre einiger Artikel muss ich dann doch sagen: Eine solch bräsige Instinktlosigkeit, einen solchen Mangel an Gespür für Notwendigkeiten und Stimmungen des Augenblicks habe ich noch nicht erlebt. Bei den Ärmsten der Armen (Langzeitarbeitslose!) etwas wegnehmen wollen, und selbst ausgelassen und teilweise auf Staatskosten feiern. Das hat schon deutlichen Marie-Antoinette-Charakter (wobei man der Armen da Unrecht tut, aber das ist eine andere Geschichte …). Von Merz wollen wir gar nicht erst reden („Höhepunkt des Wohlstands liegt vorerst wohl hinter uns …“).

Es geht mir nicht um Neid. Nicht um deutsche Provinzialität, nach der man immer schön bodenständig sein muss. Urlaub nur national. Und wer passabel Englisch spricht oder Wein über 5 Euro trinkt, ist schon abgehoben. Spahn soll ruhig in einer Villa wohnen. Als Unternehmensberater weiß ich, was für Gehälter wo gezahlt werden und dass unsere Politiker:innen nicht überbezahlt sind. Um all das geht es nicht.

Es geht um die aktuelle historische Konstellation: Krieg in der Ukraine. Hätte man sich einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn es geheißen hätte: Statt Geschenke bitte eine Spende? Statt der Tausend-Euro-Suppenterrine? Inflation, Energienotstand – und dann produziert der oberste Kassenwart der Nation SOLCHE Bilder? Wie ignorant kann man eigentlich sein?

Irgendeine leicht verstrahlte Ex-BUNTE-Chefin erklärte doch glatt, sie erinnere das Paar an die jungen Kennedys, wegen der HOFFNUNG, die es ausstrahlen würde.

Und da durchfuhr es mich wie ein Blitz: Absolut NIEMAND auf der ganzen Welt verbindet mit Christian Lindner irgendwelche Hoffnungen. Ängste, Befürchtungen – Ja. Aber Hoffnung?

Kein Mensch, der nicht schon gut verdient, verspricht sich von Lindner irgendeine Verbesserung des eigenen Loses. Besitzstandsbürger hoffen vielleicht, dass der Staat nicht allzu viel „wegnimmt“. Aber dass durch das Wirken des Christian Lindner bei den Bedürftigen IRGENDWAS mehr ankommt, das glaubt wirklich absolut niemand.

Und das ist doch eigentlich total traurig. Und irgendwie auch nihilistisch.

Kein Politiker, der gestaltet, sondern eher ein Umverteilungsverhinderer, ein Anti-Hoffnungs-Politiker, der Proxy des Großkapitals im Kabinett, der – so gut es gegen SPD und Grüne eben geht – verhindert, dass unten zu viel ankommt. Denn wir müssen alle Opfer bringen. Also vor allem die Opfer müssen Opfer bringen. Die anderen können sich schon selbst helfen.

Denn: Unterm Strich zähl ich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s