Nationale Interessen?

Warum ist Deutschland so seltsam ambivalent in seiner Unterstützung der Ukraine? Warum sind wir da nicht klipp und klar? Warum leisten wir uns Verzögerungen, Unklarheiten, diplomatische Possenspielchen? Warum folgt auf jede Solidaritätsgeste – und die gibt es ja in der Tat viele! – ein „Ja, aber“? Auf jedes „Die Ukraine verteidigt gerade auch uns und unsere Werte“ ein „Aber die sollen mal nicht so übertreiben“ und „Russland darf man jetzt auch nicht dämonisieren“?

Die Regierungspolitik spiegelt natürlich auch die gespaltene öffentlichen Meinung wider – wie sollte es bei solch einem Thema auch anders sein? Die Pole bilden der offene Brief in der EMMA und der offene Brief in der ZEIT, das „Team Frieden“ und das „Team Freiheit“, die (vermeintliche) „Vernunft“ und die (vermeintliche) „Moral“ – und auch das „Team von Dohnanyi“ und das „Team Belton“. 

Die Ersten meinen: Der Westen ist schuld an der Genese des aktuellen Konflikts. 

Die Zweiten: Putin brauchte gar keinen Anlass und keine Provokation. Er exekutiert einfach einen Plan, den er schon immer gehabt hat.

Persönlich bin ich klar im Team Belton. Mehr noch: Ich verstehe nicht, wie man nach der Lektüre von „Sachbuch Hardcover 4“ bei „Sachbuch Hardcover 2“ noch Antworten suchen kann. 

Platz 4 macht Platz 2 obsolet. 

Und komme mir niemand mit „Die Wahrheit liegt in der Mitte“ oder „Das ganze Bild sehen“. Platz 2 hat dazu geführt, dass es nicht nur für die Ukraine überhaupt so weit kommen konnte, wie es gekommen ist. Wenn sich das Denken von Platz 2 weiter fortsetzt, wird die Ukraine nicht die letzte Station der Putin‘schen Aggression sein. 

Dass von Dohnanyi trotz seiner eindeutigen Widerlegung durch die Realität überhaupt noch so erfolgreich ist, gibt Anlass zur Sorge. 

Allein der Titel ist ein Witz: Im „nationalen Interesse“ Deutschlands wäre es gerade, den Inhalt von „Putins Netz“ sehr genau zur Kenntnis zu nehmen und danach zu handeln. 

Im nationalen Interesse Deutschlands ist es gerade nicht, weiterhin Appeasement gegenüber einem brutalen Diktator zu betreiben, der in seinem Großmachtwahn in der Ukraine nicht Halt machen wird.

Wäre von Dohnanyi nicht so eitel und verbohrt, hätte er die Auflage(n) seines Buches, das im Januar erschien und im Februar obsolet war, direkt einstampfen müssen. 

Aber Aufmerksamkeit erhalten und Geld verdienen sind ja auch nicht schlecht. Wenn kümmern da schon die katastrophalen Folgen der eigenen Denke?

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