Zum ZDF-Dokudrama „Stunden der Entscheidung: Angela Merkel und die Flüchtlinge“

Ein sehenswertes Doku-Drama mit Mängeln (verfügbar bis 03.09.2024)

Wir sehen: Den vollgepackten Kanzlerinnenalltag changierend mit dem „March of Hope“ vom Budapester Bahnhof an die österreichische Grenze. Dazu Zeitzeugen wie Thomas de Maiziere, Sigmar Gabriel, Peter Tauber, Ex-BND-Chef Schindler und verschiedene Journalisten.

Wir sehen nicht, weder fiktiv noch real: Horst Seehofer, der sich – anders ist es kaum zu verstehen – bewusst absentiert hat, um hinterher nicht in „Mithaftung“ genommen werden zu können. Kaum zu glauben, dass dieser Mensch heute Innenminister in der nächsten Regierung Merkel ist.

Leider haben sich die Autoren dafür entschieden, die Politiker ebenso bräsig darzustellen, wie es bereits Robin Alexander erfolgreich in seinem Beststeller „Die Getriebenen“ getan hat, der als Verfilmung demnächst in der ARD zu sehen sein wird. Sie klingen teilweise wie Jura-Erstsemester: „Was, wenn die jetzt alle kommen?“, „Ist das jetzt illegal?“, „Können wir die Grenzen eigentlich schließen?“, „Kannst du mal schauen, was da jetzt für welche dabei sind?“

Überraschend auch, wie arglos viele Kommentatoren, etwa Sigmar Gabriel, mit dem Begriff „Grenzöffnung“ umgehen, der mittlerweile ja zum rechten Kampfbegriff geworden ist und sachlich nicht zutrifft. Stephan Detjen und Maximilian Steinbeis haben hierzu und zum „Mythos vom Rechtsbruch“ ein vorzügliches Buch geschrieben.

Bereits während der Endphase des Films, in der die historische Dimension des Handelns der Bundeskanzlerin deutlich wird, hören wir – stets im Hintergrund – die Stimmen des Hasses, die ihre Entscheidung nach sich zog („Wir werden sie jagen!“). Der Film beginnt am frühen morgen des 4. Septembers 2015. Unwillkürlich dachte ich, „da war die Welt noch in Ordnung“. Das war sie natürlich nicht, aber ein Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag oder Wahlergebnisse wie die in Sachsen und Brandenburg bei gleichzeitigem Abdriften in den Rechtsradikalismus schienen doch unvorstellbar.

Was bleibt, ist eine nach der grundgesetzlich garantierten Menschenwürde im wahrsten Sinne des Wortes alternativlose Entscheidung. Und Angela Merkel wusste dabei die große Mehrheit der Bundesbürger*innen auf ihrer Seite. Wer gerne in Kategorien wie Stolz auf das eigene Land schauen möchte: Hier wäre eine Gelegenheit.

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