Was hundert Jahre nach Verdun auf dem Spiel steht

Das Gedenken an die Schlacht von Verdun, in der vor hundert Jahren 300.000 Menschen sinnlos starben, wirkt einerseits seltsam anachronistisch. Die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland ist selbst schon in die Geschichte eingegangen und die Gedenktage wirkten in den letzten Jahren ritualisiert und erstarrt. Die Bevölkerungen beider Länder sind derart weit davon entfernt, sich gegenseitig als Feinde zu betrachten, dass sich viele wohl fragten, warum überhaupt immer wieder daran erinnert werden muss. Eher war die uralte Feindschaft einem wohlwollenden Desinteresse gewichen. Auf der anderen Seite gewinnen die Erinnerung und die Wertschätzung dessen, was wir in Europa haben, angesichts neuer Bedrohungen wieder an Aktualität. Hass, Häme, Rassismus und der Wunsch nach Abschottung sind wieder auf dem Vormarsch.

Der Historiker Fritz Stern hat kurz vor seinem Tod ein trauriges Resümee gezogen: „Ich habe mich manchmal beschwert, dass ich aufgewachsen bin mit dem Ende einer Demokratie und jetzt, am Ende des Lebens, die Kämpfe um die Demokratie noch einmal erleben muss. Eigentlich eine traurige Bilanz.“ Wir dürfen nicht zulassen, dass die Befürchtung Sterns Wirklichkeit wird.

Der Feind heißt heute AfD, Front National, PIS oder FPÖ. Um ihn zu bekämpfen dürfen wir nicht seine Rhetorik übernehmen, sondern müssen die wachsende und groteske Ungleichverteilung der Vermögen und auch der Lebenschancen angehen. Um zu wahren, was wir haben, müssen wir uns ändern und weiterentwickeln. Nicht mit ängstlichen Abwehrmaßnahmen, nicht mit deutscher Zuchtmeisterei in Europa sondern mit mutigen Visionen für einen Kontinent, der eine Zukunft haben und sich nicht aufs Altenteil zurückziehen will.

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